Antje Breitmeier
Reiseplanerin
Expertin für Skandinavien
»Glück ist das einzige was sich verdoppelt, wenn man es teilt«

Grönland - hier kann man sich vor lauter Eindrücken kaum entscheiden, mit welchen Worten sich die Natur dort am treffendsten beschreiben lässt: faszinierend - atemberaubend - majestätisch - mächtig - archaisch - unglaublich... Alle diese Begriffe erfassen dennoch nicht den tiefen Eindruck, den Grönland auf seine Besucher macht. Die riesigen Gletscher und Eisberge sind nicht nur ein atemberaubendes Fotomotiv, sondern es lässt sich hier nachvollziehen, welche Faszination in der Kraft der Natur steckt.
Die Zeit zwischen Juni und August eignet sich besonders gut, um z.B. in der Diskobucht verschiedene Walarten wie den Buckelwal oder den Grönlandwal aus nächster Nähe zu beobachten. Aber auch der Kontakt und das Kennenlernen der einheimischen Kultur der Inuit bereichert den Besuch Grönlands ungemein.
Unsere Reise begann mit dem Flug von Frankfurt über Keflavík nach Nuuk, der Hauptstadt Grönlands. Schon bei der Ankunft spürte man: Hier tickt die Welt anders. Die klare Luft, die fast lautlose Umgebung, das Licht – alles fühlt sich entschleunigt an. Unser Hotel lag zentral und war für grönländische Verhältnisse hervorragend ausgestattet – mit moderner Sky Bar, Meetingräumen und einer Küche, die auch anspruchsvolle Gäste überzeugt.
Ein erster Rundgang durch die Stadt zeigte: Nuuk ist klein, aber weltoffen. Es gibt Museen, kleine Cafés, eine Uferpromenade – und immer wieder diesen Blick auf das Fjordsystem, das die Stadt umgibt. Eigentlich stand auch ein Ausflug zur Insel Qoornoq auf dem Programm, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Schneesturm. In Grönland keine Seltenheit – Flexibilität ist hier wichtiger als ein minutiöser Zeitplan.
Am 11. Mai flogen wir schließlich weiter nach Ilulissat – und das war der Moment, in dem das Grönland begann, das man von Postkarten kennt. Eisberge. So weit das Auge reicht. Gletscher, die ins Meer kalben. Das Licht, das sich in bizarren Eisskulpturen bricht. Unsere Unterkunft lag direkt am Wasser – von dort starten viele unserer geplanten Ausflüge.
Gleich am ersten Tag stand die Sermermiut-Wanderung auf dem Programm. Gemeinsam mit unserem Guide Laura von Albatros Arctic Circle ging es auf Holzstegen durch das UNESCO-Welterbe-Gebiet zum Icefjord. Die Landschaft? Unwirklich schön. Dazu Einblicke in die Geschichte der Inuit, die hier über 4.000 Jahre lebten. Alles war flach begehbar und bestens geeignet für Gruppen – selbst ältere Gäste würden diese Tour problemlos schaffen.
Am nächsten Tag erwartete uns ein besonderes Erlebnis: Icefjord-Sailing – mit dem Boot hinein ins Eisfeld vor Ilulissat. Die Eisberge waren riesig, die Stimmung an Bord fast ehrfürchtig. Zwischenstopps, Erklärungen, ein Heißgetränk – mehr braucht es nicht für unvergessliche Momente. Diese Tour lässt sich auch als Mitternachtsfahrt planen – für alle, die die Magie des Lichts in der Polarnacht erleben möchten.
Ein weiteres Highlight war unser Ausflug nach Oqaatsut, einer kleinen Siedlung nördlich von Ilulissat. Rund eine Stunde fuhren wir mit dem Boot durch die eisverhangene Küste – ein echtes Abenteuer, bei dem man spürt, wie eng Natur und Leben hier miteinander verwoben sind. Vor Ort besuchten wir die Siedlung, erfuhren mehr über das Leben der wenigen Bewohner und aßen im kleinen Restaurant H8 – einfach, rustikal, ehrlich. Diese Tour ist besonders eindrucksvoll, erfordert aber ein wenig Trittsicherheit beim Ein- und Ausstieg – ideal für aktive Gruppen, die das echte Grönland kennenlernen wollen.
Zum Abschluss unserer Reise kehrten wir zurück nach Nuuk. Diesmal hatten wir Gelegenheit, tiefer in die Angebote lokaler Agenturen einzutauchen. Besonders beeindruckt hat uns die Arbeit von Sumut Greenland – einem kleinen, sehr persönlich geführten Anbieter, der ausschließlich mit lokalen Guides arbeitet. Hier entstehen besondere Formate, wie die neue Tour „Journey to the Past“: Eine Kombination aus Bootsfahrt, Storytelling, Zeltlager und grönländischen Snacks. Authentisch, emotional, mit viel Herzblut – genau das, was moderne Gruppenreisen ausmacht.
Auch die Kollegen von Nuuk Water Taxi überzeugten mit hoher Professionalität, moderner Flotte und einem klar strukturierten Buchungssystem – von Icefjord-Sailing über Whale-Watching bis hin zur Fish & Eat-Tour reicht das Programm. Besonders interessant: Puffin-Touren (ab Ende Mai), Mitternachtsfahrten und sogar Nordlicht-Cruises im Winter.
Grönland ist kein Reiseziel für jeden – aber es ist das perfekte Ziel für alle, die das Echte, Unverfälschte und Große suchen. Für Gruppen, die lieber staunen als shoppen. Für Gäste, die Natur nicht nur sehen, sondern spüren wollen.
Wir empfehlen: Für den Einstieg eine Kombination aus 4 Tagen Island (Reykjavik) und 4 Tagen Ilulissat (Disko-Bucht). In Island wartet die urban-nordische Welt, in Grönland der absolute Kontrast. Die Hotels sind erprobt, die Agenturen verlässlich, das Erlebnis einmalig.
Und wer weiß – vielleicht sind es gerade die stillen Momente zwischen Eis und Himmel, die noch lange nachwirken.


Antje Breitmeier
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