Kathrin Hahn
Reiseplanerin
Expertin für Großbritannien, Irland
»Kennt fast jedes Schuhgeschäft in Schottland«

Ein bisschen Wind im Gesicht, Wanderschuhe an den Füßen und vor einem nichts als grüne Hügel, weiße Klippen und das Meer – Südengland ist eine Region, in der man schnell merkt, dass sich manche Landschaften nicht nur aus dem Busfenster erleben lassen.
Unsere Kollegin Stefanie war selbst an Südenglands Küste unterwegs und kennt einige der Wege und Regionen aus eigener Erfahrung. Was damals noch einzelne Küstenabschnitte und bestehende Wanderwege waren, bekommt heute einen neuen gemeinsamen Rahmen: den King Charles III England Coast Path.
Der neue National Trail verbindet nach und nach bereits vorhandene und neu erschlossene Küstenwege zu einer rund 4.300 Kilometer langen Route entlang der englischen Küste. Für uns war das der perfekte Anlass, bekannte Abschnitte neu zusammenzudenken und daraus eine Reise zu entwickeln, die einige der schönsten Etappen Südenglands miteinander verbindet.
Ein neuer Name für eine außergewöhnliche Küstenroute
Der King Charles III England Coast Path erfindet die englische Küste nicht neu – er verbindet sie neu. Viele der Wege entlang der Klippen und Buchten bestehen bereits seit Jahren. Nun wachsen sie gemeinsam mit neu erschlossenen Abschnitten zu einer durchgehenden Route entlang der englischen Küste zusammen.
Im März 2026 wurde der King Charles III England Coast Path offiziell eingeweiht und damit rückte das Projekt noch einmal stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit. Für den deutschsprachigen Gruppenreisemarkt ist dieser neue gemeinsame Rahmen bislang noch kaum genutzt.
Genau hier setzt unsere Reise „Der Königspfad in Südengland“ an. An fünf bis sechs Tagen greifen die Wanderungen Abschnitte auf, die heute Teil dieser großen Küstenroute sind oder in ihren Verlauf eingebunden werden. White Cliffs, Seven Sisters, Jurassic Coast, Tin Coast und Tintagel bekommen dadurch einen gemeinsamen roten Faden.
Für Veranstalter entsteht so die Möglichkeit, ein aktuell stark beachtetes Reisethema früh aufzugreifen und gleichzeitig auf Landschaften und Wege zu setzen, die sich bereits seit Jahren als besondere Erlebnisse an der englischen Küste bewährt haben.
Wandern ja, Leistungssport nein
Wer beim Begriff Wanderreise sofort an ganztägige Etappen, schwere Rucksäcke und möglichst viele Kilometer denkt, darf diese Vorstellung hier direkt wieder vergessen.
Die einzelnen Touren sind überwiegend zwischen fünf und zehn Kilometer lang und dauern etwa zwei bis dreieinhalb Stunden. Der eigene Bus bringt die Gruppe zum Startpunkt und wartet am Ende der Wanderung bereits wieder. So werden längere Distanzen bequem zurückgelegt und zu Fuß geht es genau dort weiter, wo die Landschaft besonders viel zu bieten hat.
Das macht die Reise bewusst auch für Gäste interessant, die sich selbst nicht als eingefleischte Wanderer bezeichnen würden. Die Etappen sind leicht bis mittelschwer und lassen genügend Zeit für Pausen, Fotos und den Blick aufs Meer.
Denn darum geht es letztlich: Südengland intensiv erleben, ohne daraus einen sportlichen Wettbewerb zu machen.
Von weißen Klippen bis Cornwall: Südengland Schritt für Schritt
Schon der Auftakt könnte kaum englischer sein. An den White Cliffs of Dover führt der Weg oberhalb der berühmten Kreidefelsen entlang, während unten die Fähren über den Ärmelkanal ziehen. Bei klarer Sicht erscheint sogar Frankreich am Horizont.
Mit Beachy Head und den Seven Sisters folgt eine der eindrucksvollsten Etappen. Hier geht es tatsächlich einige Male bergauf und wieder hinunter. Grüne Wiesen, weiße Kreidewände und darunter immer wieder das Meer.
Weiter westlich zeigt die Küste ein anderes Gesicht. Die Old Harry Rocks ragen aus dem Wasser, Lulworth Cove schneidet sich nahezu kreisrund in die Landschaft und mit Durdle Door wartet einer der bekanntesten natürlichen Felsbögen Englands. Dabei geht es mitten durch das UNESCO-Weltnaturerbe der Jurassic Coast. In Charmouth kann bei passenden Gezeiten sogar selbst nach Fossilien gesucht werden. Millionen Jahre alte Erdgeschichte liegt hier mit etwas Glück direkt zwischen den Kieseln am Strand.
In Cornwall wird die Landschaft schließlich spektakulärer. An der Tin Coast erinnern alte Maschinenhäuser direkt an den Klippen an die Bergbaugeschichte der Region. Die Wanderung von Cape Cornwall bis zur Geevor Tin Mine verbindet Atlantikpanorama und Industriekultur, bevor es an einem weiteren Tag in die Welt der Legenden geht: Von der Burgruine Tintagel Castle führt der Küstenweg über Barras Nose und durch das grüne Rocky Valley bis zum Naturhafen von Boscastle.
Und zwischendurch? Darf Südengland auch einfach Südengland sein. Kleine Küstenorte, ein Abstecher nach St. Ives, eine Cornish Pasty oder ein Cream Tea gehören genauso dazu. Wobei in Cornwall natürlich eine wichtige Regel gilt: erst Marmelade, dann Clotted Cream.
Erfahrung auf Wegen, die jetzt zusammenwachsen
Ein neuer Fernwanderweg bedeutet schließlich nicht, dass auch jede Landschaft entlang der Strecke neu entdeckt werden muss. Einige der Küstenregionen und Wege, die heute unter dem Dach des King Charles III England Coast Path zusammengeführt werden, kennt unsere Kollegin Stefanie bereits aus eigener Erfahrung.
Gerade bei einer Reise mit Wanderetappen ist dieses Wissen wertvoll. Entfernungen und Höhenmeter erzählen schließlich nur einen Teil der Geschichte. Vor Ort merkt man, wo sich ein längerer Fotostopp lohnt, wie anspruchsvoll ein Anstieg tatsächlich wirkt oder welcher Küstenabschnitt in Erinnerung bleibt.
Diese Erfahrungen helfen uns dabei, die neue Route nicht einfach auf der Karte zusammenzustellen, sondern ausgewählte Abschnitte sinnvoll in eine Gruppenreise zu integrieren.
Damit verbinden wir etwas Neues mit vorhandenem Wissen: Der King Charles III England Coast Path gibt der Reise einen neuen roten Faden, während persönliche Erfahrungen mit einzelnen Regionen und Etappen in die Programmplanung einfließen.
Drei UNESCO-Welterbestätten und noch einiges mehr
Auch wer nach einer Wanderung die Schuhe gerne einmal für ein paar Stunden auszieht, kommt auf der Reise auf seine Kosten.
Mit der Jurassic Coast, der Bergbaulandschaft von Cornwall und West Devon sowie Avebury begegnen den Gästen drei sehr unterschiedlichen UNESCO-Welterbestätten. Millionen Jahre Erdgeschichte treffen auf die industrielle Vergangenheit Cornwalls und rund 5.000 Jahre Menschheitsgeschichte.
Dazu kommen Orte wie Lacock. Das historische Dorf ist so gut erhalten, dass es regelmäßig als Filmkulisse genutzt wird. Und wer Lust auf einen ganz anderen englischen Programmpunkt hat, kann zum Abschluss die historische Laverstoke Mill besuchen, in der heute Bombay Sapphire Gin hergestellt wird.
Gerade dieser Mix erweitert die Zielgruppe der Reise. Der Königspfad gibt den roten Faden vor, doch das Programm besteht nicht ausschließlich aus Wanderungen. Natur, Geschichte, Kultur und Genuss wechseln sich ab und sorgen dafür, dass auch Gäste angesprochen werden, die Bewegung mögen, aber keinen reinen Wanderurlaub suchen.
Der Bus fährt die Kilometer, die Gäste laufen die schönsten
Vielleicht beschreibt genau das die Idee hinter dieser Reise am besten.
Niemand muss den kompletten King Charles III England Coast Path bewältigen, um zu verstehen, was ihn so besonders macht. Stattdessen verbindet die Reise einige seiner schönsten Etappen mit den Vorteilen einer organisierten Busreise.
Lange Distanzen werden bequem gefahren. Zu Fuß geht es dort weiter, wo Klippen, Küstenwege und kleine Orte den schönsten Blick auf Südengland eröffnen.
Und wer sich vor der Reise noch gefragt hat, ob Wandern wirklich das eigene Ding ist, hat nach ein paar Kilometern mit Meerblick vielleicht eine andere Antwort.


Kathrin Hahn
Reiseplanerin
Expertin für Großbritannien, Irland
»Kennt fast jedes Schuhgeschäft in Schottland«